Julien Reitzenstein

Julien Reitzenstein (* 1975) ist ein deutscher Historiker und Autor. Bekannt ist Reitzenstein für seine Forschungen zur SS-Wissenschaftseinrichtung „Ahnenerbe“ und seine Initiativen für Gedenkkultur, beispielsweise der Errichtung einer Stele mit BundespräsidentFrank-Walter Steinmeier vor dessen Dienstvilla.

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Reitzenstein ist gelernter Kfz-Mechaniker und studierter Historiker.[1] Als solcher war er als Lehrbeauftragter an verschiedenen Universitäten tätig. Derzeit (2019) lehrt er an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.[2] Seit 2007 veröffentlicht Reitzenstein Beiträge für unterschiedliche Publikationen[3], dazu gehören Jüdische Allgemeine, Cicero, Neue Zürcher Zeitung, Jüdische Rundschau, Finance und Manager Magazin. Zudem schrieb er viele Jahre als regelmäßiger Autor der Zeitschrift Immobilienwirtschaft aus dem Haufe-Verlag.

Reitzenstein wurde 2014 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit einer Arbeit über das Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung, eine Einrichtung der von der SS geführten Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe, zum Dr. phil.[2] promoviert. Auf Grundlage dieser Dissertation und weiterer Arbeiten veröffentlichte Reitzenstein im gleichen Jahr bei Schöningh das Werk Himmlers Forscher. Wehrwissenschaft und Medizinverbrechen im „Ahnenerbe“ der SS.[4] Die Arbeit wurde sowohl in Fachzeitschriften[4][5] und in Publikumsmedien[6][7][8] wiederholt rezensiert. Das Buch erschien 2019 in 2. Auflage.[9]

2014 verfasste Reitzenstein eine weitere Dissertation mit dem Titel Sievers, Rascher, Plötner und das Polygal an der Charité in Berlin.[10]

Im Jahr 2018 veröffentlichte Reitzenstein bei Duncker & Humblot eine wissenschaftliche Monographie über die sogenannte Straßburger Schädelsammlung, die bei Kriegsende im anatomischen Institut der Universität Straßburg mit 86 im KZ Natzweiler-Struthof vergasten Juden aufgefunden wurde.[11] Reitzenstein widmet sich im Buch unter anderem dem von Fritz Bauer initiierten Strafverfahren gegen Bruno Beger, der als Gehilfe verurteilt wurde. Reitzenstein legt dabei neue Quellen vor, die eine erweiterte Perspektive bezüglich der Tatbeteiligung des Rasseforschers Begers und seiner Motive, sowie der Rolle des Zeugen Henri Henripierre ermöglichen.

Das Buch wurde von Historiker Wolfgang Benz als „luzide Studie“ positiv beurteilt.[12]: „Seriöse Wissenschaft – das zeigt Reitzenstein – kann Augen öffnen“. Sven Felix Kellerhoff urteilte in der WELT[13]: „Das Beispiel zeigt, dass kritische Geschichtswissenschaft auch die Aussagen von jahrzehntelang als verlässlich geltenden Kronzeugen infrage stellen sollte. Das ist keine Relativierung, sondern dient im Gegenteil der Aufarbeitung.“Werner Renz bemerkte in der Zeitschrift myops Reitzensteins „kritische Haltung gegenüber der etablierten […] Geschichtsschreibung“ und seinen „unkonventionellen Ansatz“, kritisierte allerdings das Anliegen des Buches, Beger nachträglich in einem fiktiven Prozess als Täter zu überführen, als „eigentümliches, schwerlich rechtsstaatliches Verfahren.Die deutsche Strafprozessordnung kennt bekanntlich kein Strafverfahren in Abwesenheit des Angeklagten und ohne Verteidigung.“[14] Reitzenstein erwidert in seiner Replik, dass Renz das Narrativ der NS-Täter Beger und Henrypierre stütze und bereits 2005 der Auffassung gewesen sei, dass die Angeklagten des Auschwitz-Prozesses nicht hätten bestraft werden dürfen.[15] Nikoline Hansen schrieb in der Jüdischen Rundschau[16]: „Gelegentlich ist es notwendig, andere Fragen zu stellen und auch bekannte historische Narrative aus einer anderen Perspektive zu betrachten. […] Julien Reitzenstein setzt damit eine unbequeme Tradition fort, die sich quasi durch das Denken gegen das Establishment auszeichnet.“ Auch dieses Buch erhielt eine 2. Auflage.[17]

Reitzenstein ist Mitautor der 2017 erschienenen zweiten Auflage des Handbuchs der völkischen Wissenschaften, herausgegeben von Michael Fahlbusch, Ingo Haar und Alexander Pinwinkler.

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